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SPD-Fraktion Dreieich
Rede des Fraktionsvorsitzenden Rainer
Jakobi am 13.12.2011
zum Entwurf des Wirtschaftsplans 2012
(Es gilt das gesprochene Wort)
Frau Stadtverordnetenvorsteherin,
meine Damen und Herren,
es sind 30 Jahre her, dass ich zum ersten Mal an einer
Haushaltsberatung der Stadt Dreieich mitgewirkt habe.
Viele der damaligen Kolleginnen und Kollegen leben nicht
mehr. Glücklicherweise war es bisher extrem selten,
dass jemand während seiner aktiven Stadtverordnetenzeit
verstorben ist.
Daher trifft es umso mehr, wenn dies geschieht, und
es bewegt besonders, wenn mit Michael Volz jemand plötzlich
stirbt, der über alle Parteigrenzen hinaus als
ehrenamtlich engagierter und sachlicher Politiker sehr
geachtet war. Jeder, der mich kennt, weiß, wie
sehr ich Herrn Volz geschätzt habe.
Wir alle haben uns gefreut, dass er, nachdem er in der
letzten Wahlperiode zurückgetreten war, wieder
bereit war, sich hier zu engagieren. Die allermeisten
haben sich sicher auch darüber gefreut, dass er
auf der CDU-Liste so weit nach vorne gewählt wurde
und auch wieder zur Übernahme des Vorsitzes des
Haupt- und Finanz-Ausschusses bereit war.
Deshalb sind wir jetzt alle erschüttert. Es ist
ein immenser Verlust für uns alle. Sicher ist das
nicht vergleichbar mit dem Verlust, den die Familienangehörigen
empfinden. Da aber aus Gründen, die absolut zu
respektieren sind, die Trauerfeier im engsten Familienkreis
stattfand, war es mir ein Bedürfnis, dies noch
einmal zu sagen.
Seit den letzten Haushaltsplanberatungen hat eine Kommunalwahl
stattgefunden und es ist für die SPD ein erfreuliches
Novum in der Stadtgeschichte eingetreten: Wir haben
jetzt die gleiche Anzahl von Sitzen wie die CDU. Das
wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen.
Ich kann mich an Abstände von 10% und mehr erinnern,
die Abstände waren immer deutlich, meistens mehr
als drei Sitze.
Ein kleiner Wermutstropfen stellt es aus unserer Sicht
sicher dar, dass dieser Gleichstand auf einem Niveau
erreicht wurde, der auch, gemessen an unseren Ansprüchen,
eher als bescheiden anzusehen ist.
Ein weiteres Novum besteht darin, dass wir erstmals
in der Stadtgeschichte ohne festgefügte Mehrheit
in eine Wahlperiode gestartet sind. Es gab bis 1989
absolute CDU-Mehrheiten, teilweise gegen drei andere
Fraktionen, danach vier Jahre Rot-Grün und danach
wieder CDU-geführte Koalitionen. In den letzten
beiden Wahlperioden ist man mit einer großen Koalition
und einer sogenannten bürgerlichen Koalition gestartet,
die sind aber beide nicht ins Ziel gekommen. Deshalb
hatten wir auch seit Mitte der letzten Wahlperiode offene
Mehrheiten, und ich habe an dieser Stelle in den letzten
Jahren schon des Öfteren gesagt, es hat der Stadt
nicht geschadet, im Gegenteil.
Und so behaupte ich auch, dass die Konstituierung und
die Arbeitsaufnahme erstmals ohne Koalition ausgesprochen
ruhig und reibungsfrei verlaufen sind, auf jeden Fall
reibungsfreier als mit Koalition fünf Jahre zuvor.
Es war fair, dass auch die kleinen Fraktionen personell
an den Gremien beteiligt wurden, wo dies nach ihrem
Stimmenanteil aus eigener Kraft nicht möglich gewesen
wäre. Ich erwähne dies, weil auch die kleinen
Fraktionen sich in Koalitionen bisweilen so nicht verhalten
haben. Den Grünen beispielsweise, die jetzt aus
eigener Kraft überall vertreten sind, wurde in
städtischen Beteiligungsgesellschaften bisweilen
mit den Stimmen von FDP und FWG ein Sitz verweigert.
FDP und FWG sind jetzt, obwohl wesentlich schwächer
als seinerzeit die Grünen, in den Beteiligungsgesellschaften
vertreten. Dies nicht, weil sie in einer Koalition sind,
sondern weil CDU und SPD auch ohne Koalition auf einen
ihrer Sitze in den Stadtwerken, den Verkehrsbetrieben,
der Holding und der Bürgerhaus GmbH verzichtet
haben. Ich will das nur als ein Beispiel für fairen
Umgang nennen, der vielleicht in Zukunft beibehalten
werden sollte.
Nötig ist allerdings, dass es für erforderliche
Beschlüsse Mehrheiten gibt. Das gilt insbesondere
für den Haushalt, der nicht in Hinterzimmern im
Rahmen von Koalitionsverhandlungen ausgeklüngelt
wurde, sondern an dem jede Fraktion mit Erfolgsaussicht
Veränderungen beantragen konnte. Wer offene Mehrheiten
will, der darf sich bei den Haushaltsberatungen nicht
aus der Verantwortung stehlen, auch dann nicht, wenn
ihm nicht alles gefällt, denn sonst funktioniert
es nicht.
Wir befinden uns jetzt im Zuge dieser Haushaltsberatungen
nach der Wahl und vor den Entscheidungen zur Schuldenbremse.
Auch da wird sich zeigen, ob bei den offenen Mehrheiten
weiterhin Mehrheiten für die nötigen Entscheidungen
vorhanden sind.
Es ist positiv, dass über das Maßnahmenpaket
I zu Kienbaum nicht nur sehr sachlich und zielorientiert
debattiert wurde, sondern, dass es auch eine einstimmige
Empfehlung aller Fraktionen im Haupt- und Finanzausschuss
zur Annahme gab.
Dies heißt auch, niemand hat eine Abstimmungsniederlage
in einer Einzelfrage zum Anlass genommen, Opposition
zu spielen und das Gesamtpaket abzulehnen.
Die Kienbaumstudie war, wenn man so will, eine Verabredung
aller Fraktionen (bis auf die CDU), des Magistrats und
der Verwaltung, die Finanzmisere unter fremder Hilfe
gemeinsam anzugehen. Das Verhalten der CDU bei den Kienbaumberatungen
hat gezeigt, dass man hier jetzt zur Mitarbeit bereit
ist, was im Interesse der Sache sehr sinnvoll ist und
im Übrigen auch geeignet ist, die CDU aus der Isolation,
in die sie sich in der letzten Wahlperiode selbst hineingebracht
hat, herauszuholen. Ich bin darauf bei den letzten Haushaltberatungen
ausführlich eingegangen.
Es ist auch nicht zuletzt deshalb im Interesse der CDU,
weil sicher in den Zeiten, als unter ihrer Führung
Politik gemacht wurde, ein ganz wesentlicher Teil der
Finanzprobleme der Stadt produziert worden sind. Auch
dazu habe ich bei den Haushaltsplanberatungen der letzten
Jahre ausführlich Stellung genommen. Ich erspare
mir heute deshalb die Details.
Ich hätte das auch gar nicht mehr erwähnt,
wenn nicht auf der Jahreshauptversammlung der CDU ausgerechnet
die Person, die als Bürgermeister in den 90er Jahren
die zentrale Verantwortung für das Schuldendesaster
trägt, erklärt hat, man hätte keine Kienbaumstudie
gebraucht, wenn man sich auskenne in der Stadt, wüsste
man, wo gespart werden müsse.
Da sage ich mir: Schade für die Stadt, dass er
das zu dem Zeitpunkt, als er Bürgermeister gewesen
war, noch nicht gewusst hat.
Zu der im Übrigen aber auch nur noch dezent getätigten
Aussage aus den Reihen der CDU, man hätte die Kienbaumstudie
nicht gebraucht, kann ich nur sagen:
Man kann sicher darüber debattieren, ob es für
das Projekt externer Hilfe bedurft hätte. Aber
den besten Beweis für die Notwendigkeit der Kienbaumstudie
liefert die CDU selbst. Die CDU hat noch vor kurzem
die 3 Millionen Ausgaben für die Schwimmbadsanierung
mit beschlossen. Jetzt, nachdem das Geld ausgegeben
und das Bad saniert ist, sagen sie: Kommando zurück,
wir schließen das sanierte Bad.
Jetzt frage ich: Was ist zwischen dem Beschluss, das
Bad für teures Geld zu sanieren und dem Antrag,
das Bad zu schließen, Entscheidendes passiert?
Finanziell dramatisch war die Situation auch schon bei
dem Ausbaubeschluss.
Die Antwort ist: Zwei Dinge, nämlich die Wahl und
die Kienbaumstudie.
Und wenn wir jetzt aus Spaß einmal annehmen, der
Sinneswandel der CDU liege nicht an der Wahl –
ich will das auch nicht unterstellen – dann bleibt
nur noch die Kienbaumstudie.
Dessen ungeachtet sollten wir bei unseren Entscheidungen,
gerade weil wir keine Koalition haben, auf eine gewisse
Logik achten.
Hier wurde vor einigen Jahren gegen den Widerstand von
SPD und Grünen beschlossen, eine knappe halbe Million
auszugeben, um mit städtischem Geld eine Landesstraße,
nämlich die Südumgehung zu planen. Als das
Geld ausgegeben und die Straße vorgeplant war,
hat eine Mehrheit gesagt. Schluss, wir brauchen die
Straße nicht. Ich füge hinzu: Gott sei Dank
hat sich insoweit die Mehrheit geändert. Die Straße
wäre noch erheblich teurer geworden und hätte
nach unserer Überzeugung auch mehr Probleme gebracht
als gelöst. Aber noch besser wäre es gewesen,
wenn diese Erkenntnis gekommen wäre, bevor wir
das Geld ausgegeben haben.
Wir haben uns dann, dieses Mal einmütig über
alle Parteigrenzen hinweg, daran gemacht, die Planung
des Baugebiets Heckenborn voranzutreiben. Nachdem wir
dann einstimmig eine knappe Million Euro für die
erforderlichen Prüfungen ausgegeben und herausbekommen
hatten, die Bebauung funktioniert, wenn auch sinnvollerweise
kleiner und wir können mit einem Gewinn im Millionenbereich
rechnen, steigen drei Fraktionen aus. Man kann für
oder gegen die Bebauung des Heckenborn sein, aber wenn
man dagegen ist, dann trifft man diese Entscheidung
besser, bevor man sage und schreibe eine Million Euro
ausgibt, die dann in den Wind geschrieben sind.
Nebenbei: Stellt Euch doch mal vor, was wir zu hören
bekommen hätten, wenn die Aussteiger die Mehrheit
erhalten hätten: Guckt Euch diese Versager an,
geben eine Million Steuergelder aus um zu prüfen,
ob was geht, was sie gar nicht wollen.
Wir sind bereit, mit der CDU gegen alle anderen dafür
zu sorgen, dass beim Heckenborn für die Stadt mehr
übrig bleibt als ein Millionenverlust.
Und wir sind bereit, mit allen anderen gegen die CDU
dafür zu sorgen, dass nicht 3 Millionen in ein
Parkschwimmbad fließen, das dann geschlossen wird.
Die SPD steht auch in Zeiten ohne feste Mehrheiten für
Kontinuität und Berechenbarkeit. Und solange es
eine starke SPD gibt, die die Nerven behält, sind
unter diesen Bedingungen offene Mehrheiten auch durchaus
sinnvoll.
In diesem Zusammenhang will ich aber auch klar und unmissverständlich
erklären: Mit der inhaltlichen Kritik an ihrer
Haltung in der Schwimmbadfrage muss die CDU leben. Mit
inhaltlicher Kritik hat aber das, was aus UGL-Kreisen
da abgelassen worden ist, nichts, aber auch gar nichts
zu tun.
Jetzt könnte man ja angesichts dessen, was einige
aus der CDU-Fraktion teilweise in der letzten Wahlperiode
von sich gegeben haben, sagen: Da seht ihr einmal, wie
das ist, wenn man von jemand derart dummdreist attackiert
wird, dass man kaum angemessen reagieren kann, ohne
auf das gleiche Niveau zu sinken.
Aber irgendwann hört der Spaß auf.
Personen, die sich ehrenamtlich engagieren, zu unterstellen,
sie wollten ein Schwimmbad schließen, weil sie
als Notare oder Makler oder als was auch immer Geld
machen wollten – ohne irgendeinen Anhaltspunkt
zu haben – ist schlicht primitiv und ehrabschneidend.
Und wenn das dann auch noch von einem Professor unterschrieben
ist, dann spricht das nicht für das Pamphlet sondern
gegen den Professor. Ich weiß nicht, ob man da
von eigenen Moralvorstellungen auf die anderer Personen
schließt, aber es ist auch egal. Wer ständig
derart unterirdisch argumentiert wie die UGL, bei dem
muss man dann auch feststellen: Es fehlt schlicht die
Gesprächsbasis. Wer so einen Quatsch von sich gibt,
der disqualifiziert sich als Gesprächspartner.
Das gilt übrigens auch für die UGL-Kritik
an der Verwaltung, die auch von beeindruckender Unkenntnis
der realen Situation zeugt.
Das geht an der Kritik am Bürgermeister los. Da
wird zunächst einmal konsequent ignoriert, dass
in den letzten Jahren etwa 4 Millionen Euro strukturell
eingespart worden sind. Dann wird schlicht nicht zur
Kenntnis genommen, dass seit 2007, also seit Dieter
Zimmer Bürgermeister ist, mehr als 27 volle Stellen
eingespart worden sind. Wie war es denn vorher? Ich
habe neulich, mehr zufällig, einen alten Bericht
über die Stellenentwicklung bei der Stadt von 1986
bis 1999 gefunden.
1986:
9 neue Stellen
1987:
9,5
1988:
7
1989:
11
1990:
8,5
1991:
11
1992:
11,5
1993:
10,5
1994:
2
Bis hierhin 80 neue Stellen in 9 Jahren. Es geht dann
weiter abgebremst nach oben, aber immer noch nach oben.
Erst seit Dieter Zimmer die Verantwortung hat, werden
Stellen abgebaut. Das geht in der Debatte bisweilen
völlig unter.
Und wer, wie es der UGL-Professor tut, Dieter Zimmer,
immer mit Blick auf Personalkosten die Schuld für
die Verschuldung der Stadt gibt, der demonstriert erschreckende
Ahnungslosigkeit. Und wer sich dabei auf die Kienbaumstudie
beruft, der zeigt, dass er sie entweder nicht gelesen
oder nicht verstanden hat.
Wahrscheinlich teilt sich das UGL-Lager in diese beiden
Gruppen.
Kienbaum empfiehlt zunächst einmal die Schließung
einer Reihe von Einrichtungen, die die UGL, die außer
Pauschaldiffamierungen durch keinen einzigen eigenen
Vorschlag auffällt, für unersetzlich hält.
Kienbaum gibt weiter eine Reihe von Empfehlungen für
weiteren Personalabbau, denen die Verwaltungsspitze
überwiegend, wenn auch schweren Herzens –
und sicher gegen Widerstand innerhalb der Verwaltung
– zu folgen beabsichtigt.
Ein durchaus wichtiges Ergebnis der Kienbaumstudie ist
daher neben den in ihr enthaltenen Empfehlungen, dass
dem populistischen Geschwätz, man brauche keine
Einrichtung zu schließen und könne die Millionen
aus der Verwaltung herausschwitzen ohne dass es die
Bürger merken, jegliche Grundlage entzogen ist.
Die SPD-Fraktion weiß, dass mit der Umsetzung
der Kienbaumvorschläge und der Streichung von immerhin
über 50 Stellen der Verwaltung eine Menge zugemutet
wird.
Ich will deshalb deutlich sagen, dass wir dies wissen
und dass wir der Verwaltung nicht nur für die im
letzten Jahr geleistete Arbeit, sondern auch für
das offenkundig grundsätzlich vorhandene Verständnis
für Einsparungen im Personalbereich ganz herzlich
danken und erklären: Wir halten Einsparungen für
unumgänglich, aber stehen hinter dieser Verwaltung
und wissen, was dort geleistet wird. Und wir stehen
auch zu der am Anfang des Projektes Schuldenbremse gemachten
Zusage: Es wird mit uns keine betriebsbedingten Kündigungen
geben.
Zu den betriebsbedingten Kündigungen, die immer
mal in die Debatte kommen, will ich sagen, dass dies
aus zwei Gründen unglücklich ist:
Erstens verunsichert es die Verwaltung, denen wir zu
Beginn des Prozesses aus guten Gründen etwas anderes
gesagt hatten. Wir wollten nämlich nicht zuletzt
im Interesse des Erfolgs der Schuldenbremse eine konstruktive
Begleitung des Prozesses durch die städtischen
Mitarbeiter erreichen und man kann von niemandem erwarten,
dass er aktiv am Prozess der Beseitigung des eigenen
Arbeitsplatzes mitwirkt.
Aber es gibt auch einen ganz pragmatischen anderen Grund,
den eigentlich jeder, der sich etwas im öffentlichen
Dienstrecht auskennt, nachvollziehen kann.
Zunächst kann man keinem Beamten betriebsbedingt
kündigen. Insoweit geht dieses Instrument also
sowieso ins Leere. Dann darf im öffentlichen Dienst
aus tarifvertraglichen Gründen niemand gekündigt
werden, der 15 Jahre und länger dabei ist. Man
mag das kritisieren, aber so ist die Situation.
Was bleibt übrig: In erster Linie ganz viele Erzieherinnen.
Wer will einer Erzieherin betriebsbedingt kündigen?
Wir müssen Erzieherinnen, die wir verzweifelt suchen,
schon mit übertariflichen Lockangeboten ködern,
damit wir genügend bekommen. Also, das ist an dieser
Stelle völlig sinnlos. Wir würden keine betriebsbedingte
Kündigung aussprechen.
Bei dem Personal, was jetzt noch theoretisch kündbar
wäre, gibt es eine filigrane Rechtsprechung, beispielsweise
zu der Frage der Sozialauswahl. Da muss in die Erwägung
eingestellt werden, hat die Person Kinder, Bindungen
am Ort, hat die Person noch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt
und so weiter.
Wir würden, wenn wir betriebsbedingte Kündigungen
zuließen, uns in die Lage bringen, dem oder der
einen oder andern jungen engagierten Bediensteten zu
kündigen und dieser oder diesem dann möglichst
eine satte Abfindung anzubieten, damit er oder sie auf
den Rechtsweg verzichtet.
Jetzt frage ich: Wem hätten wir damit geholfen?
Der Stadt jedenfalls nicht. Schon deshalb nicht, weil
wir auch darauf achten sollten, dass wir auch jüngere
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung halten.
Also allen, die mit dem Gedanken spielen, sei geraten,
die Debatte zu beenden, sie führt zu nichts und
schadet nur.
Grundsätzlich stehen wir zu den Vorschlägen
des Sparpaketes, die in Phase 1 genannt sind.
Wir stehen auch zu den meisten Vorschlägen der
Phase 2, denen wir uns in den nächsten Monaten
widmen müssen.
Ich will insoweit nur kurz einige Abweichungen nennen:
Wir wollen jedenfalls zurzeit beide Schwimmbäder
erhalten. Angesichts des geforderten Einsparvolumens
sollten wir das versuchen. Wenn eine Schließung
nötig wird, dann eher das Hallenbad. Eine Zusammenlegung
der Bäder halten wir übrigens für eine
Illusion. Es geht keiner gerne im Sommer ins Hallenbad
und wie soll das mit einer Traglufthalle über dem
Freibad bei der Topographie funktionieren?
Zum Parkschwimmbad haben wir einen Vorschlag unterbreitet,
der zu erheblichen Einnahmen führen kann ohne dass
die Attraktivität darunter leidet.
Bei der Vereinsförderung sollten wir bedenken,
dass wir die Zuschüsse entsprechend unserer eigenen
Richtlinien schon einmal um 20% gekürzt haben.
Bei der notwendigen weiteren Reduzierung sollten wir
die Vereine, die in aller Regel sehr konstruktive Gesprächspartner
sind, weiter einbeziehen, wie das beispielsweise in
der Spotplatzkommission geschieht und auch bedenken,
was in diesem Bereich ehrenamtlich Sinnvolles geleistet
wird.
Grundsätzlich möchte ich sagen: Die SPD-Fraktion
hat schon vor Jahren massiv und mit Nachdruck auf die
problematische Situation bei den Kassenkrediten hingewiesen.
Die große Koalition ist damals geplatzt, weil
die CDU mit Alleingängen den Sparkurs verlassen
hat. Wir sollten aber jetzt auch nicht von einem Extrem
ins andere fallen.
Das Dreieicher Haushaltsproblem hat zwei Komponenten:
Eine hausgemachte und eine fremdbestimmte.
Wir waren durch Fehler in der Vergangenheit eine der
ersten Gemeinden in unserer Nachbarschaft, die Kassenkredite
in großem Umfang beansprucht hat. Deshalb sind
wir auch aufgerufen, massiv gegenzusteuern.
Insoweit haben wir, auch wegen unserer Standards, in
besonderem Maße Verpflichtungen und haben wegen
unserer Einnahmen auch Perspektiven.
Seit Jahren sind wir allerdings auch am Konsolidieren.
Ich habe die 4 Millionen Euro und die 27,5 eingesparte
Stellen angesprochen. Es sind u.a. Verkäufe städtischer
Immobilien getätigt worden und so weiter.
Mittlerweile haben uns ja fast alle Städte und
Gemeinden bei den Kassenkrediten eingeholt. Es gibt
eben auch die allgemeine Misere der kommunalen Haushalte,
die zentral auch von denen verursacht ist, die den Gemeinden
ständig neue Aufgaben aufbürden und gleichzeitig
die Mittel kürzen.
Wer jetzt sagt, wir hätten in Hessen das Konnexitätsprinzip,
dann muss ich fragen: Wie wird es denn angewendet?
Man hat seitens des Landes die Standards bei den Kindergärten
verpflichtend für alle Städte hoch gesetzt.
Klasse!
Dann hat man Mittel zur Verfügung gestellt und
gesagt: Die Städte, die diese Standards schon vorher
hatten, bekommen nichts. Selbst schuld, wenn sie Sinnvolles
schon dann machen, wenn es noch gar nicht gesetzlich
vorgeschrieben ist.
Und dann hat man die Mittel, die man den anderen Städten
gibt, im Ergebnis aus dem kommunalen Finanzausgleichstopf
genommen.
Wir haben jetzt eine Verpflichtung mehr –vorher
war das freiwillig, jetzt ist es Pflicht – bekommen
dafür aber als Ausgleich vom Land weniger Geld.
Ob dies rechtlich zulässig ist, klären demnächst
die Gerichte.
Unabhängig davon sage ich: Wenn das das Konnexitätsprinzip
ist, bin ich dagegen.
Noch mal: Wir haben vor Jahren massiv auf die Finanzmisere
hingewiesen.
Vor dem Hintergrund, dass wir – bis auf ganz wenige
Ausnahmen – eine allgemeine finanzielle Ausblutung
der kommunalen Haushalte haben, wäre es kontraproduktiv,
wegen des Ziels, als fast einzige Stadt einen ausgeglichenen
doppischen Haushalt zu erreichen, das würde bedeuten,
alle freiwilligen Leistungen abzuschaffen. Wir sollten
deshalb jetzt auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.
Selbstverständlich haben wir alle die Verpflichtung,
5 Millionen Euro zusätzlich zu den bereits eingesparten
4 Millionen Euro strukturell einzusparen. Aber irgendwo
ist Schluss mit den zu vertretenden Einsparmöglichkeiten.
Mit uns ist jedenfalls eine Abschaffung der Vereinsförderung
oder der Behindertenbetreuung nicht zu machen. Dort
werden exorbitant wichtige Aufgaben der kommunalen Daseinvorsorge
geleistet und das findet auch weiterhin unsere Unterstützung,
auch mit öffentlichen Mitteln.
Wer beispielsweise irgendwann einmal lieber die restlichen
200.000 Euro für die Behindertenbetreuung einsparen
will, als im Schnitt 5 Euro Grundsteuererhöhung
pro Einwohner und Jahr zu akzeptieren, dem sagen wir
dann: Wir sind anderer Auffassung und wir sind noch
stolz darauf.
Ich habe es Ihnen und mir erspart – die im Übrigen
bekannten – Positionen zu erörtern, die unter
dem Vorbehalt der Kienbaumabstimmung, in dem eingebrachten
unspektakulären Haushalt 2012 stehen.
Das einzige größere Projekt ist der Neubau
des BIK-Hauses. Hierzu wird später noch bei der
Einzelberatung gesprochen. An dieser Stelle nur so viel:
Das Vorgehen des Bürgermeisters in dieser Angelegenheit
ist nach unserer Ansicht ein hervorragendes Beispiel
für intelligentes Sparen. Man verkauft die Flächen
um das BIK-Haus für gutes Geld, teilweise auch
noch für soziale Zwecke, und benutzt den Erlös,
um das BIK-Haus kostenneutral kleiner und energieeffizient
aufzubauen.
Das wurde auch von der CDU-Fraktion im Haupt- und Finanzausschuss
ausdrücklich positiv gesehen.
Nun ist umgekehrt auch denen Recht zu geben, die sagen:
Mit einer ersatzlosen Streichung der Einrichtung sparen
wir noch mehr.
Aber auch hier gilt: Wir sollten nicht das Kind mit
dem Bade ausschütten. Jugendförderung ist
exorbitant wichtig, auch zur Prävention. Radikales
Sparen bei der Jugend kann eine Radikalisierung der
Jugend zur Folge haben. Die Städte im Osten haben
aus purer finanzieller Not die kommunalen Jugendeinrichtungen
geschlossen mit der Folge, dass dort die NPD die offene
Jugendarbeit übernommen hat. Das Ergebnis sehen
wir jetzt. Jetzt werden Millionenprogramme zur Schadensbegrenzung
aufgelegt. Das hätte man auch vorher wissen können.
Jetzt kann man einwenden, dass es bei uns keine NPD
gibt, die in eine solche Lücke stoßen könnte.
Da sage ich, das ist gut so und das soll auch so bleiben.
Außerdem gibt es auch andere Probleme von Jugendlichen
und mit Jugendlichen. Wir sollten deshalb auch und gerade
bei der Jugendförderung mit Augenmaß sparen.
Das geht mit dem BIK-Haus, wie es uns der Bürgermeister
mit seinem Vorschlag aufgezeigt hat.
Wir unterstützen auch in dieser Frage die Position
von Dieter Zimmer des Sparens mit Augenmaß. Deshalb
stimmen wir sowohl dem Maßnahmepaket zur Schuldenbremse
als auch dem Haushalt 2012 zu.
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